Brutboxen in der Attel und im Rainbach

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Der Anglerbund ISARIA München e.V. setzt sich seit Jahrzehnten für die Erhaltung heimischer Populationen bedrohter Fischarten wie der Äsche, der Nase oder der Bachforelle ein. Dabei werden die autochthonen Fische in der Fischzucht vom Ei weg aufgezogen und anschließend in die heimischen Gewässer ausgebracht.

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien weitet der Anglerbund sein Besatzkonzept nun aus: Neben der Aufzucht der bedrohten Fischarten und der folgenden Ausbringung dieser fertig entwickelten Fische in die heimischen Gewässer werden seit dem Jahr 2019 auch Brutboxen in Fließgewässern des Vereins installiert. Diese Boxen enthalten Eier, die in der Fischzucht befruchtet wurden. Dabei wurde selbstverständlich auch hier der Grundsatz beachtet, ausschließlich Eier autochthoner Elterntiere zu verwenden, also Fischen, die aus den jeweiligen Gewässern stammen. In den Boxen können sich die Eier entwickeln, ohne der Gefahr von Fressfeinden wie beispielsweise Wasservögeln oder anderer Fische ausgesetzt zu sein. Haben die geschlüpften Fische ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht, schwimmen sie aus den Boxen in das jeweilige Gewässer.

Die Vorteile der Brutboxen gegenüber einem konventionellen Besatz mit fertig entwickelten Fischen ergeben sich aus der vom Menschen nahezu unbeeinflussten Entwicklung der Eier und Fische in ihrem natürlichen Habitat. So kann die natürliche Selektion, die beispielsweise von Fressfeinden ausgeht, auf die einzelnen Fische wirken, sodass nur diejenigen Fische überleben und wiederum Nachkommen produzieren, die aufgrund ihrer genetischen Ausstattung am besten an die Bedingungen im jeweiligen Fließgewässer angepasst sind. Über Generationen hinweg hat sich nach diesem Prinzip ein an das einzelne Fließgewässersystem optimal angepasster Stamm von Fischen entwickelt. Die Verwendung von Brutboxen erhält im Gegensatz zu der herkömmlichen Fischaufzucht dieses Prinzip der natürlichen Selektion und ermöglicht somit, zu dem Erhalt einer optimal an das Gewässer angepassten Fischpopulation beizutragen. Darüber hinaus müssen die kleinen Fische, sobald sie aus der Brutbox in das natürliche Fließgewässer geschwommen sind, anders als in der behütenden Fischzucht, von Anfang an bestimmte Verhaltensweisen wie beispielsweise Fress- oder Fluchtverhalten zeigen, um zu überleben. So muss beispielsweise eine junge Bachforelle, die aus einer Brutbox stammt, sehr früh Insektenlarven oder Flohkrebse suchen und fressen und kann so ein entsprechendes Fressverhalten entwickeln und trainieren. Eine Forelle in der Fischzucht dagegen bekommt Fischfutter serviert, für das sie kaum einen Flossenschlag tun muss. Setzt man eine Forelle aus der Fischzucht in ein natürliches Gewässer aus, so entfällt plötzlich diese einfache Nahrungsquelle und die Umstellung auf eine natürliche Ernährung muss sehr schnell erfolgen.

Angesichts dieser Vorteile will der Anglerbund ISARIA München e.V. auch in Zukunft zusätzlich zu der Aufzucht der Fische in der vereinseigenen Fischzucht Brutboxen in die Gewässer einbringen, um so die natürlichen Fischpopulationen der heimischen Gewässer weiter zu stärken.

Ende Dezember 2019 wurden in der Attel zwei Brutboxen und im Rainbach, einem Zufluss zum Inn, eine Brutbox installiert, die jeweils mit 2000 Bachforelleneiern gefüllt wurden (siehe Bildergalerie). Die Entwicklung der Eier wird regelmäßig kontrolliert, um sicherzugehen, dass die selbst gebauten Brutboxen ihren Zweck erfüllen. Bereits wenige Tage nach der Einbringung der Boxen konnte bei fast allen Eiern die Silhouette der kleinen Fischlarve durch die transparente Eihülle erkannt werden (siehe Bildergalerie). Das Team um Gewässerwart Vinzenz Schuster ist deshalb sehr zuversichtlich, dass die jungen Bachforellen in den nächsten Tagen schlüpfen und sogleich in ihr natürliches Habitat schwimmen werden.

Im Frühjahr plant das Team, auch Äschen- und Naseneier in Brutboxen in die entsprechenden Gewässer einzubringen und hofft, so zum Erhalt dieser heimischen Fischarten beitragen zu können.

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